Donnerstag, 4. Februar 2010

4 - Unser Weg nach Kambodscha

03.02.2010 Von Michael Scherz


Es kam wie es kommen musste, nach der Reise von Bangkok nach Nakhon Ratchasima (Khorat), unserem spannenden Besuch bei Sirithai und einem viel zu langen Abend (natürlich erst aus der Sicht am nächsten Morgen) kam die Abreise nach Kambodscha wieder einmal sehr plötzlich. Zumindest für den einen oder anderen aus unserer Reisegruppe. Die beiden 10-Mann-Busse, die uns tags zuvor aus dem Hotel zu dem Firmenbesuch bei Sirithai abgeholt hatten, standen pünktlich um 8.00 Uhr vor der Tür, um uns zum Busbahnhof zu bringen. Die Firma Sirithai ließ es sich nicht nehmen, uns den Transfer zu organisieren und zu spendieren. Mit etwas Verspätung konnte wir die Fahrt dorthin aufnehmen.

Der reine Anblick des Busbahnhofs, der uns tags zuvor - wegen der unbekannten asiatischen Schriftzeichen - noch in schiere Aufregung versetzt hatte, konnte uns Reiseteilnehmer nur noch bedingt erschrecken. Die Busreise unterschied sich doch erheblich von der gestrigen. Der Bus war nur teilklimatisiert und nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass der Bus zumindest in Khorat an jeder zweiten Straßenecke weitere meist heimische Reisegäste aufnahm. Bei jedem Stop, den der Bus einlegte, kamen Essensverkäufer in den Bus und boten uns Obst, gebratenes Fleisch und vieles Unbekannte an. Spätestens jetzt waren wir in Süd-Ost-Asien angekommen.

Man konnte meinen, dass die Reise in Thailand unter der Obhut des König Bhumibol Adulyadej stand. Sein Konterfei begegnete uns in jedem Bus und auf etlichen Schildern. Nach fast 4 Stunden erreichten wir so Surin. Dort machte sich die Gastfreundschaft wieder einmal bemerkbar. Die Busfahrer fuhr uns, nachdem alle anderen Reisegäste ausgestiegen waren, direkt zu dem Bus, der uns bis zur kambodschanischen Grenze bringen sollte. Dies ersparte uns doch einiges an Lauf- und Fragerei.

Mit der steigenden Entfernung zu Bangkok reduzierte sich der Komfort unserer Verkehrsmittel. Der Bus, der sich uns nun bot, war zwar ein bekanntes deutsches Fabrikat, doch war der Mercedes-Stern auch schon das Vertrauteste. Gott sei Dank konnten alle Fenster geöffnet werden, was die Reise unerwartet angenehm gestaltete. Wenn in Bangkok noch jedes Schild, das in Thai geschrieben war, einen englischen Untertitel hatte, so begegneten uns seit Surin kaum noch Straßenschilder mit der uns bekannten Schrift.

Der Grenzverkehr zwischen Kambodscha und Thailand scheint sich gegen null zu bewegen, denn der Bus nahm ausser uns keine weiteren Fahrgäste für die etwa 1 Stunde dauernde Fahrt zur Grenze bei O Smach auf. Endlich kamen wir dort an. Die Straße war 2 km vor der Grenze nicht mehr befestigt. Lediglich planiertes Erdreich bildetet die Straßenoberfläche. Eine Schaar von Taxifahrern erwartete uns auf der thailändischen Grenzseite und ich bekam den Eindruck, dass die über unser Erscheinen mehr gestaunt haben, als wir über den abenteuerlichen Zustand dieser Grenze. Am Abend zuvor hatten wir uns noch die erst kurze Friedenszeit in Kambodscha ins Gedächtnis gerufen und waren uns bewußt, dass direkt hinter der Grenze noch vor einigen Jahren Kampfgebiet war.

Mit erheblichen Respekt vor der berüchtigten Vergangenheit näherten wir uns dem Grenzübergang. Die thailändischen Grenzbeamten waren soweit freundlich und nahmen sich vor uns bei der Ausreise noch ein paar thailändische Redewendungen beizubringen. Lediglich bei der Passkontrolle, als ein Reiseteilnehmer versehentlich ein Absperrgeländer umwarf erhöhte sich der Puls schlagartig auf 180, sank allerdings schnell wieder, da die Grenzbeamten dies mit ihrer thailändischen Gelassenheit übersahen.

Dass in Kambodscha die Korruption als Kunstform angesehen und auch betrieben wird konnten wir am eigenen Portemonnaie spüren. Die Visagebühr wurde kurzerhand von den kambodschanischen Grenzbeamten verdoppelt. Wir waren die einzigen Nichtasiaten an dem Grenzübergang. Die Aufmerksamkeit, die wir durch unsere Anwesenheit erregten äusserte sich darin, dass viele sich dort aufhaltende Kambodschaner, die auch nur bruchstückweise Englisch sprechen konnten, uns in ein Gespräch verwickelten und bereitwillig über ihre Gebräuche berichteten und uns mit lebenswichtigen Vokabeln versorgten. Nach fast 2 Stunden Grenzaufenthalt hatten wir endlich alle unsere Reisepässe wieder und konnten in Kambodscha einreisen.

Nun galt es „nur“ noch die 300 km von der Grenze bei O Smach bis Siem Reap zurückzulegen. Kurze Verhandlung mit Taxifahrern ergaben schnell, dass dies mangels anderer Möglichkeiten nur mit Taxis zu bewerkstelligen war. Diese 300 km führten durch ein noch nicht geräumtes Minengebiet und ehemalige Schlachtfelder; kurz: verwüstetes Land, das langsam anfängt sich zu regenerieren. Die Straßen, die in Thailand fast westeuropäischen Standards entsprechen, bestanden jetzt größtenteils aus sandigem, lehmigem Untergrund, die uns ordentlich durchgerüttelt haben. Mit bis zu 130km/h manövrierte der Fahrer sein Auto um teilweise bis 1m tiefe Schlaglöcher und Gräben und nach weiteren 4 Stunden waren wir endlich heile, glücklich und erschöpft am Ziel - Somadevi Angkor Hotel, Siem Reap - angekommen. Nach fast 11 Stunden Reise für vielleicht 500km Strecke hatten wir eine abenteuerliche Reise überstanden.

Beim gemeinsamen Abendessen berichtete jeder begeistert von seinen Eindrücken, die diese Reise durch eine für uns andere Welt offenbart hatte. Am nächsten Tag soll es in die Tempelanlage von Angkor Wat gehen. Der Besuch der verlassene Stadt der Khmer wird uns mit der teilweise grausamen Geschichte des Landes konfrontieren und uns wieder mit Spannung von neuen Eindrücken versehen.

Erschöpft von dieser Reise sind wir diesen Abend schon gegen 0.30 Uhr ins Bett gegangen.

Michael Scherz

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Abenteurer,
    ich freue mich jeden Tag darauf etwas Neues von der Studienreise zu lesen. Bislang wurde ich nicht enttäuscht. Weiter so. Es hört sich wirklich spannend an!
    Viele Grüße!
    Martin Rausch

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