Montag, 8. Februar 2010

5 – Siam Reap – Auf den Spuren von Indiana Jones & Lara Craft (AngkorWat) 04.02.10

5:30 Uhr... aus dem iPhone dröhnt ein nerviger Xylophon Klingelton. „Stehen Sie als erstes auf?“ kommt ein halblautes Brüllen von der gegenüberligenden Seite... „Ja, mach ich!“ „Wecken Sie mich dann in 15min...“ *grummel*

Erst einmal unter die Dusche, denn heute fährt um 6:30Uhr unser Bus samt Guide zum Weltkulturerbe von Angkor Wat und einigen weiteren Anlagen. Die Gegend um Siam Reap besitzt mehr als 50 Tempel, wovon wir einige „auf den Spuren von Lara Craft" (Tomb Raider...dazu später mehr) erkunden möchten. Nach unserem üppigen Frühstück geht es zuerst in Richtung Ta Prohm.

Ta Prohm ist eine sehr beeindruckende Tempelanlage, die vielen kulturelle Merkmale aufzeigt, auf die die Kambotschana meiner Meinung nach Stolz sein können. Viele alte Gebäude unterliegen seit Jahrhunderten starken Umwelteinflüßen, wie z.B. Wildwuchs, Errosion etc.. Da die Umgebung um Angkor Wat Austragungsort vieler Kämpfe und Machtspiele war, ist eine Vielvölkerlandschaft mit durchaus hollywoodreifer Atmosphäre entstanden. Und hier wären wir wieder bei Lara Craft: Hollywood hatte tatsächlich an dieser Stelle einen Film namens "Tomb Raider" gedreht und die atemberaubende Kulise perfekt in Szene gesetzt. Wer sich weitere Eindrücke holen möchte schaut sich einfach die Filme an. In einem der Tempelgebäude gibt es den Brauch, sich an eine von zwei bestimmten, gegenüberliegenden Wänden zu stellen, einen Wunsch auszusprechen und sich mit flacher Hand auf die Brust zu schlagen. Das dumpfe Echo in diesem kaminartigen Gemäuer hat etwas für sich. Nach dem uns weitere wundersame Orte gezeigt wurden, z.B. in Gebäude, in denen Tänzerinnen probten oder lebten. Im Anschluss sind wir weiter nach Bayon, einer gut 12 km² großen Anlage.

Würgefeige (Tetrameles nudiflora)







Bayon befindet sich mitten im Jungel, umgeben von Palmen, exotischen Pflanzen und hoch anmutenden Bäumen, die schon mehrere hundert Jahre Zeugen einer Epoche von kulturellem Reichtum sind. Dieser Tempel war in der Zeit zwischen 1100-1200 n.Ch. das Zentrum der Stadt Angkor Thom und Symbol einer Millionenstadt. Randnotiz: Zu dieser Zeit hatte Paris einige zehntausend Einwohner. Wer sich weiter für die Geschichte Interessiert klickt hier.


Angkor Wat ist die beeindruckenste Anlage und steht mittlerweile unter dem Weltkulturerbe. Der Tempel wurde zu ehren der hinduistischen Gottheit Vischnu erbaut und diente dem damaligen König als Grabmal. Die geschichtlichen Hintergründe sind märchenhaft und haben trotz der mittleweile über 32°C eine Begeisterung bei der Gruppe ausgelöst. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein Turm, der über zahlreiche steile Stufen erreichbar ist. Dieser Teil der Anlage war für den König vorbehalten und durfte nicht von anderen betreten werden... der König hatte einen verdammt schönen Ausblick!




Nach der Führung durch die Tempelanlagen und einem kleinen Mittagessen haben wir das Angebot wahrgenommen, uns eine kambotianische Vorschule anzusehen. Die Schulkinder empfingen uns mit einem kambotianischen Gruß und waren sichtlich aufgeregt... „Woher kommt ihr?“ Fragt einer der Klassenkameraden und sichtlich stieg die Neugier bei allen Kindern drastisch an. Thomas B. gesellte sich in einer der Schulbanken zu den Jungs und fing an sich mit einer Gruppe von 10-14 jährigen zu unterhalten... total erstaunt von seinem hervorragendem Englisch, wo selbst Thomas schwierigkeiten hatte mitzuhalten, beantworteten wir den Kleinen ihre Fragen und erzählten, warum wir hier sind, was wir machen, etc. und als wir Bilder vom im Deutschland herschenden Schneechaos zeigten, haben wir viele neue Freunde gewonnen.

Nach unserem Besuch gingen wir durch ein angrenzendes Dorf und schauten uns die Lebensverhältnisse an. Hier möchte ich die Bilder für sich sprechen lassen:

Am späten Nachmittag lud uns der Pool zu einer kühlen Erfrischung ein und neben Kamikaze, Long Island Ice Tea und anderen exotischen Drinks verarbeiteten wir das Erlebte und gaben unseren überstrapazierten Füßen eine kleine Pause. Den Abend liesen wir bei einem französisch anmutenden Restaurant ausklingen und versammelten uns auf ein Angkor – My country, my beer vor der Hotel Einfahrt.

6 - Überfahrt nach Phnom Penh

Von Susanne Müller

Kurz vor 6 trafen wir uns zum Fruehstueck & 20 Minuten spaeter sassen wir bereits im Bus, um zu dem Anlegeplatz des Bootes zu fahren. Die Fahrt ging an Siedlungen vorbei, die aus Bretterverschlaegen und vereinzelten Haeusern bestanden. Es herrscht groesstenteils eine schreckliche Armut, in der die Kamboschaner leben.

Der Hafen bestand aus einem Steg mit einer Anlegestelle. Auf den ersten Blick sah das Schiff einem U-Boot sehr aehnlich und uns graute der Eintritt und die 5,5 stuendige Ueberfahrt bis nach Phnom Penh. Es gab keine zu oeffnenden Fenster und man sass gequescht in seinem Sitz. Alle 110 Plaetze waren belegt. Wir hatten die Karten bereits bezahlt (35 Dollar pro Pers.) und es gab kein zurueck mehr. Die Ueberfahrt wurde zu einem wahren Erlebnis….. Der Dieselmotor sprang an und das Boot setzte sich in Bewegung. Wir fuhren durchweg ca. 40 km.
Die Eingangstuer wurde geoeffnet und wir durften auf das Dach des Bootes klettern. Es waren zwar keine Absicherungen und keine Baenke oder Stuehle vorhanden - aber egal…. Vereinzelte Mitfahrende mussten Verluste verzeichnen und sich von Verschiedenem trennen, wie Hueten, Sonnenbrillen etc..

Zwischenzeitlich ist der Suesswassersee so gross, dass man das Gefuehl hat auf dem Meer zu sein. An engeren Teilen des Flusses konnte man die Kamboschianer beim alltaeglichen Leben beobachten. Wie sie fischen, Waesche waschen etc.. Sie leben in Baracken am Ufer des Flusses.

Ein paar unserer Gruppe holten sich waehrend der Ueberfahrt ihren ersten Sonnenbrand. Die anfaenglich horror wirkende Ueberfahrt war letztendlich traumhaft schoen. Um ca. 15 Uhr trafen wir in den Hafen der kosmopolitischen Hauptstadt Phnom Penh ein. Zu 2 Personen nahmen wir jeweils ein TukTuk zum Hotel. Wir gewannen den Preiskampf von 5 auf 3 Dollar pro Gefaehrt. Dreckige laermende Facetten der Stadt sahen wir auf dem Weg zum Hotel. Nach dem checkin im Hotel Julia machten wir uns noch frisch um uns zum Mittagessen in einer Schulkantine zu treffen. Es dauerte sehr lange bis wir unseren Snack serviert bekamen (Reis mit Gemuese wahlweise mit Ei, Schinken oder Huhn).

Gestaerkt sind wir in 4 er Gruppen zum Geozidmuseum Toul Seeng (S21) suedlich des Stadtzentrums gefahren. Eine alte Schule wurde von den roten Rhmer genutzt um systematisch ihre Graultaten durchzufuehren. Im S21 wurden zwischen 1975 bis 1979 ca. 20.000 Menschen ermordet. Getruebt von den erschuetternden Eindruecken fuhren wir mit einem TukTuk zum Nachtmarkt. Leider war dieser sehr touristisch.

Die Armut ist in der Stadt noch drastischer erkennbar. Eingesperscht in winzigen Kammern leben viele Einwohner in einer der jaemmerlichen Barackensiedlungen am Strassenrand. Dagegen fahren viele Neuwagen (Toyota etc.) von der Oberschicht durch die Innenstadt. Die Schichtenunterschiede sind in den bisher bereisten Ländern gewaltig. Es ist im Gegensatz zu unserer bisherigen Route stellenweise sehr unsauber. Grundsaetzlich sind die Einheimischen sehr hilfsbereit und freundlich.

Zum Abendessen kehrten wir in ein birmisches Restaurant ein. Auch hier kletterten, wie wir es mittlerweile bereits gewohnt waren, wieder Gekos an den Waenden zwischen den Bildern entlang. Nach dem interesanten und leckeren Essen kehrte ein Teil von uns ins Hotel zurueck und der Rest schlenderte noch was durch die Strassen und nahm noch einen Absacker in einer modernen japanischen Innbar ein.

Ich bin schon sehr gespannt was uns morgen wieder erwarten wird….. Bisher war es eine tolle Studienreise!

Susanne Müller